Viele Fragen rund um das Glockengeläut von St. Nikolaus
„Hörst du nicht die Glocken?“, heißt es in einem bekannten Kinderlied. Tatsächlich aber nehmen wir zwar das Schlagen oder Läuten der Glocken wahr, die Bedeutung ist aber oft nicht mehr bekannt. Und so wird es zunehmend als störend empfunden.
Geschichte
Seit mehr als 5.000 Jahren dienen Glocken Menschen unter anderem als Zeitangabe, zur Warnung vor Sturm und Unwetter oder als Signal-Glocken. Im Christentum werden Glocken seit rund 1.500 Jahren eingesetzt. Sie sind fester Bestandteil des kirchlichen Lebens. So laden Glocken zum Gottesdienst, begleiten liturgische Handlungen (Taufe, Trauung, Evangelium, Wandlung…), rufen zum Gebet und zur Fürbitte, erinnern an die Ewigkeit. Sie geben daher nicht nur dem kirchlichen Alltag einen festen Rhythmus.
Schlagen und Läuten
Bei der Erzeugung der Töne durch Glocken unterscheiden wir zwischen „Schlagen“ und „Läuten“. Angeschlagen wird eine Glocke mit einem Hammer, um die Uhrzeit anzugeben – zur vollen, aber auch zu jeder viertel Stunde. Läuten Glocken, dann werden sie durch einen Motor zum Schwingen gebracht. Früher war dies die Aufgabe der Ministranten mittels langer Seile.
Gesetzliche Rahmenbedingungen
Staatskirchenrechtlich, das heißt laut „Konkordat“[1], ist das Glockenläuten ein Bestandteil der freien öffentlichen Religionsausübung und gilt „in bisher ortsüblichem Rahmen“ nicht als Ruhestörung. Kirchenrechtlich besitzen Kirchen und öffentliche Kapellen das Recht auf Glocken, um die Gläubigen zum Gottesdienst einzuladen und an häusliche und persönliche Gebete tagsüber zu erinnern.
Angelus-Läuten tagsüber
Um 05:46 Uhr, um 12:01 Uhr und um 18:31 Uhr[2] ist das sogenannte „Angelus-Läuten“ zu hören. Dieses Gebets-Läuten ist auf die Stundengebete der Klöster zurückzuführen, nämlich „Laudes“ am Morgen, „Sext“ bzw. Mittagshore am Mittag und „Vesper“ am Abend. Es soll dazu einladen, den „Angelus“[3] zu beten.
Da man der Bevölkerung das zeitaufwendige Stundengebet der Klöster mit ihrer Fülle an Psalmen und Gesängen nicht zumuten konnte, entstand als volkstümliche Ersatzform der „Engel des Herrn“, der leicht auswendig zu lernen war und auch bei der Arbeit mit nur einer kurzen Unterbrechung gebetet werden konnte.
Dieses Gebet[4] betrachtet die Menschwerdung Jesu, ausgehend vom Verkündigungs-Dialog zwischen dem Engel Gabriel und Maria. Nach jedem der drei Betrachtungs-Worte[5] wird ein „Gegrüßet seist du Maria“ gebetet. Abschließend folgt ein Gebet.
Am Beginn der Entwicklung des Angelus-Gebetes stand im 13. Jahrhundert der franziskanische Brauch, beim abendlichen Läuten Maria zu grüßen. Abendliche Glockenzeichen waren auch sonst weit verbreitet, verbunden mit einem Gedächtnis der Menschwerdung Jesu. Das morgendliche Glockenzeichen wurde als Gedächtnis der Auferstehung Jesu gedeutet, das Mittags-Läuten als Gedächtnis des Leidens und Sterbens Jesu. Am Abend läutet um 18:34 Uhr noch eine zweite Glocke nach der ersten, die dem Gedächtnis der Verstorbenen gewidmet ist.
Freitags um 15 Uhr
Die Glocken am Freitag um 15 Uhr erinnern als sogenanntes „Scheidungs-Läuten“[6] an die Todesstunde Jesu.
Glockenläuten vor dem Gottesdienst
Ca. 20 Minuten vor Beginn des Gottesdienstes wird die Pfarrgemeinde mit dem sogenannten „Vorläuten“ zum Gottesdienst eingeladen.
Ca. 5 Minuten vor Gottesdienstbeginn erklingt dann das „Zusammenläuten“.
Einläuten von Sonntagen und Feiertagen
An den Samstagen, sowie den Tagen vor einem Hochfest, wird um 16 Uhr der jeweilige Festtag „eingeläutet“.
Läuten während der Messfeier
Das „Zeichen-Läuten“ dient dazu, liturgische Handlungen während des Gottesdienstes anzuzeigen (Evangelium, Wandlung – bei unseren evangelischen Schwestern und Brüdern beim Vaterunser).
An Hochfesten wie Ostern, Weihnachten und Pfingsten oder auch zum Jahresabschluss oder an Kirchweih wird das „Te Deum“[7] am Ende des Gottesdienstes vom vollen Geläut begleitet.
Läuten bei anderen Gottesdiensten
Auch bei Taufen, Hochzeiten, Begräbnissen, Kirchenjubiläen, bei der Ernennung und beim Tod des Diözesanbischofs, sowie bei der Wahl und dem Tod des Papstes erklingen die Glocken. Je nach Bedeutung des Anlasses läutet man mit allen Glocken („Vollgeläute“) oder nur mit einigen Glocken („Teilgeläute“).
Weltliches Geläute
Mit dem sogenannten „weltlichen Geläut“, das heißt der Stundenschlag zur vollen Stunde und zu jeder Viertelstunde[8], wird die Uhrzeit angezeigt. Dies stammt aus der Zeit des Mittelalters, als der Großteil der Bevölkerung keine Uhr hatte und von der Turmuhr der Kirche abhängig war.
Weltlichen Ursprungs ist auch das Glockengeläute in der Neujahrsnacht.
Im Hinblick auf den Bevölkerungsschutz und Vorsorge in Krisenfällen erhalten die Glocken eine alte Bedeutung zurück. Bei Ausfall der Alarmsirenen oder sonstiger Mitteilungsmöglichkeiten im Krisenfall können bei Notfällen und Umweltkatastrophen die Kirchenglocken geläutet werden.
Das große Schweigen
Von Gründonnerstag bis Ostersonntag ersetzen Ratschen und Klappern die Kirchenglocken. Im Volksmund sagt man, die Glocken seien nach Rom geflogen.
Nach alter Tradition läuten die Glocken beim Gloria der Abendmahlmesse am Gründonnerstag zum letzten Mal. Sie erklingen dann, ebenso wie die Orgel, erst wieder im Auferstehungsgottesdienst am Ostersonntag zum Gloria, um die Auferstehung Jesu Christi zu verkünden.
Das Schweigen der Glocken deutet auf die Flucht und die stumme Wortlosigkeit bei der Gefangennahme Jesu hin. Orgel und Glocken als Zeichen des Triumphes schweigen ebenso wie die Glocken der Ministrantinnen und Ministranten. Mit dem Wiedererklingen der Glocken und der Orgelmusik in der Feier der Osternacht kehren Leben und Hoffnung zurück.
Geweiht wie Menschen
„Geweiht“ werden vor allem Personen, die in den Dienst Gottes und der Gemeinden gestellt werden wie Priester und Diakone. Aber auch Kirchenbauten, Altäre und Dinge, die ausschließlich für den heiligen Dienst bestimmt sind – Glocken, Kelche, Chrisam-Öl, Kranken-Öl, Katechumenen-Öl, werden „geweiht“.
Andere Sachen, Gegenstände, Tiere und Menschen werden nicht „geweiht“, wie es im Volksmund oft heißt, sondern „gesegnet“.
Welch hohen Stellenwert Glocken im christlichen Glauben haben, zeigt auch, dass nicht mehr benutzte, zerstörte Glocken, oft beerdigt werden.
Bilder von der Glockenweihe in St. Nikolaus 1963
Glocken in St. Nikolaus
Jede Glocke trägt eine Inschrift mit Widmung. Sie sind der göttlichen Dreifaltigkeit, Maria, einem der vier Evangelisten oder einem anderen Heiligen, oft dem Patron der Pfarrgemeinde, gewidmet oder tragen den Namen von herausragenden Glaubenszeugen.
| Nikolaus | Schlagton c‘ Durchmesser 150,4 cm Gewicht 2.031 kg Schmuck: Relief des Heiligen | Umschriften: „Wenn Versuchung im Herzen, wenn Not im Haus, wenn Gefahr auf den Wogen, dann schütze uns St. Nikolaus“ – „Gestiftet vom Fischer- und Schifferverein Wörth am Main“ | Hören Sie hin! |
| Wolfgang | Schlagton es‘ Durchmesser 125,2 cm Gewicht 1.311 kg Schmuck: Relief des Heiligen | Umschrift: „Ich künde Gottes Lob und Ehr, groß ist ob allem Ding nur er“ | Hören Sie hin! |
| Maria | Schlagton f‘ Durchmesser 112 cm Gewicht 911 kg Schmuck: Relief der Muttergottes | Umschrift: „Gnade und Einheit, Liebe und Frieden, sei durch Maria uns allen beschieden“ | Hören Sie hin! |
| Martin | Schlagton g‘ Durchmesser 101,8 cm Gewicht 710 kg Schmuck: Relief des Heiligen | Umschrift: „Ich ruf ins Herz euch Christi Lieb und Erbarmen, daß ihr begegnet ihm in jedem Armen“ | Hören Sie hin! |
| Josef | Schlagton b‘ Durchmesser 91 cm Gewicht 506 kg Schmuck: Relief des Heiligen | Umschrift: „St. Josef führ im letzten Streit uns heim in Gottes Herrlichkeit“ | Hören Sie hin! |
Läute-Ordnung von St. Nikolaus
Die Kirchenverwaltung hat am 22. September 2015 folgende Läute-Ordnung für die Pfarrkirche St. Nikolaus beschlossen:
| MOTIVE | Glocke 1 c‘ | Glocke 2 es‘ | Glocke 3 f‘ | Glocke 4 g‘ | Glocke 5 b‘ | ANLÄSSE |
| Motiv 1 „Ausgefülltes C-Moll 7“ | I | II | III | IV | V | Hochfeste |
| Motiv 2 „Ausgefülltes C-Moll“ | I | II | III | IV | Sonntage der Weihnachts- und Osterzeit | |
| Motiv 3 „C-Moll 7“ | I | II | IV | V | Sonntage der Advents- und Fastenzeit | |
| Motiv 4 „Ausgefülltes Es-Dur“ | II | III | IV | V | Sonntage im Jahreskreis | |
| Motiv 5 „Te-Deum- Motiv“ | I | II | III | Werktage der Osterzeit | ||
| Motiv 6 „C-Moll- Akkord“ | I | II | IV | Werktage der Advents- und Fastenzeit, sowie Requiem | ||
| Motiv 7 „Pater-Noster-Motiv“ | II | III | IV | Werktage der Weihnachtszeit | ||
| Motiv 8 „Es-Dur- Akkord“ | II | IV | V | Werktage im Jahreskreis | ||
| Motiv 9 „Gloria-Motiv“ | III | IV | V | Taufe |
Hören Sie alle fünf Glocken gemeinsam
- „Vorläuten“:
jeweils 20 Minuten vor Gottesdienst
mit der größten Glocke des jeweiligen Motivs - Messfeiern / Wort-Gottes-Feiern / Andachten:
Läuten wie die jeweiligen Tage - „Einläuten“ des jeweiligen Sonntages oder Festtages:
Wie der jeweilige Sonntag oder Festtag - „Ausläuten nach einem Sterbefall“:
2-mal mit der Glocke 5, dann „Motiv 6“
(„C-Moll-Akkord“ – Glocken 1,2,4)
| St.-Nikolaus-Lied Worte von Josef Volkheimer, Melodie: „Sei gelobt und hochgepriesen“ | In des Himmels Strahlenkranze glänzt dein Bild, Sankt Nikolaus! Deines Lebens mildreich Wirken lohnt dir Gott im Vaterhaus. Zu dir heben wir die Herzen voll Vertrau´n und Zuversicht: Führ auch uns zum Himmelslicht. Du der Freund der Kinderscharen, du der Armen Schutz und Hort, du der Müden Kraft und Stärke, Du der Schiffer sichrer Hort. Zu dir heben… Wenn Gefahr und Not uns drohen, schütze uns, Sankt Nikolaus! Lass dein´ Hilf´ uns angedeihen, lösche unsre Sorgen aus! Zu dir heben… Leite uns und alle Völker hin zu Christi Königszelt! Wir geloben dir die Treue, dass er uns hat auserwählt. Zu dir heben… |
Aufnahmen des Glockengeläutes von Andreas Greubel aus Bad Kissingen am 20. Januar 2018
Informationen der Pressestelle der Diözese Gurk-Klagenfurt
Wolfgang Schultheis
[1] Vertrag zwischen einzelnen Bundesländern bzw. der Bundesrepublik mit dem Vatikanstaat
[2] Leicht versetzte Zeiten zum „Stunden-Schlag“, damit die Glocken beim Ausfall einer vorhandenen Sperre nicht beschädigt werden können
[3] „Engel des Herrn“
[4] Vgl. Gotteslob Nr. 3, Abschnitt 6
[5] „Der Engel des Herrn brachte Maria die Botschaft, und sie empfing vom Heiligen Geist.“
„Maria sprach: Siehe, ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe nach deinem Wort“.
„Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt.“
[6] abgeleitet von Tod = Hinscheiden
[7] „Te Deum laudamus“ = „Großer Gott, wir loben dich…“ (Gotteslob Nummer 379 und 380)
[8] jeweils von 6 Uhr bis 22 Uhr