Innere Werte

Bild von Gerhard Hepp

 
 

Hochaltar

In der Apsis nach einem Entwurf von Joseph Schmitz, Nürnberg, und Balthasar Schmitt, München.
Ausführung des Aufbaus durch Josef Amberg, Würzburg, 1898:
Unterbau mit vier grünen Marmorsäulen,
Mensa aus Rotsandstein,
Aufbau in Form eines Reliquienschreines aus vergoldetem Metall mit Email:
in der Mitte Tabernakel,
darüber offene, von zwei grünen Marmorsäulen flankierte Aussetzungsnische mit Altarkreuz und einer von den Symbolen Wein und Ähren verzierten Rückwand,
über dem Giebeldach der Nische ein offenes Tempelchen auf vier Säulen mit Kreuz, zu beiden Seiten des Tabernakels Inschrift „EGO SUM VIA, VERITAS ET VITA“,

Altar versus populum

Aus Rotsandstein
(1972 bei der ersten Renovierung eingefügt;
Verschiebung nach vorne 1990)

 
 

Ambo und Priestersitz

Aus Rotsandstein nach Entwurf von Hermann Kröckel, Aschaffenburg

Chorgestühl

Aus Eiche mit Schnitzereien von Konrad Tretter, Neuhammer, 1898
(Entwurf von Arthur Schleglmünig, Würzburg)

 
 

Ausmalung der Apsis

Von Paul Ecke, München, 1906:
Oben Gottvater in einem Strahlenkranz im Chor von acht Engeln,
darunter Heiliggeisttaube und ein Kreuz, welches aus einer Wasserquelle aufragt, an der zwei Hirsche trinken und von der zu beiden Seiten noch je vier Schafe hinzueilen.

Zu beiden Seiten der Apsisfenster
links hl. Nikolaus und rechts hl. Petrus.

 

Apsisfenster

Glasmalereien der Firma Victor von der Forst, Münster in Westfalen, 1898:
links hl. Nikolaus (Stiftung des Schiffervereins),
in der Mitte hl. Familie (Stiftung der Elise Hofmann),
rechts hl. Ludwig (Stiftung von Mitgliedern des Dritten Ordens).
Die Glasfenster wurden im Jahr 2010 von der Fa. Feige, Karlstadt, überarbeitet
und mit einer Schutzverglasung versehen.
Im August 2010 wurden Aufnahmen vom Nikolaus-Fenster gemacht, um sie als Vorlage für einen Vorschlag zur Gestaltung einer Sonder-Briefmarke der Deutschen Post in den kommenden Jahren zu verwenden.

  
 

Kreuzigungsgruppe

Im Chorbogen auf einem Querbalken, Backoffen-Schule, 1528.

„Über dem Chorabschluss unter dem sogenannten Triumphbogen der St.-Nikolaus-Kirche steht, dem Kirchenvolk zugewandt, auf einem reich geschnitzten Querbalken mit der Aufschrift ‚consummatum est‘ (d.h. Es ist vollbracht), die eindrucksvolle gotische Kreuzigungsgruppe mit Christus am Kreuz, seiner Mutter und St. Johannes. Sie nimmt den Blick jedes Kirchenbesuchers gefangen und ist ein Kunstwerk, wie es nur ein von religiösem Geist erfüllter Künstler schaffen konnte.
Christus in Überlebensgröße hängt am naturalistisch gebildeten Kreuz. Wie schwer sein Leben als Gekreuzigter ist, zeigt die stark emporgezogene Brust, während sein Corpus sich nach unten zu krümmen scheint. Das mit dichtem Haar umgebene Haupt mit der Dornenkrone hat Christus zu seiner Mutter geneigt, und der leicht geöffnete Mund spricht die verheißungsvollen Worte: ‚Siehe da, deinen Sohn‘. Die am Kreuzbalken ausgestreckten Arme lassen die bebenden Muskeln hervortreten; sie sind von den Nägeln durchbohrt und krümmen sich im Schmerz. Aus der geöffneten Seite fließt reichlich Blut. Der Lendenschurz flattert im Wind. Die naturwahr modellierten Füße sind am Kreuze ausgestreckt und hängen in den Nägeln. Trotz aller Schmerzen zeigt das Antlitz des Gekreuzigten göttliche Würde und Erhabenheit.
Maria zur Rechten neigt im Schmerz um ihren göttlichen Sohn das gramerfüllte, echt mutterhafte Antlitz; die zartgliedrigen Hände umfassen den über die Brust reichenden Schal und den Mantel; das rechte Knie ist etwas geneigt; trotzdem steht die Mater dolorosa aufrecht da, ‚ganz ins Leid des Sohnes versunken‘.
Johannes zur Linken in faltenreichem Gewande blickt zum Gekreuzigten empor und hat die Hände zu ihm erhoben wie im Gebet. In dem von weichen Locken umrahmten, jugendlichen Gesicht leuchtet das von seinem Herrn und Meister soeben gesprochene Wort zu froher Verheißung und Hoffnung auf.“
(Volkheimer)

„Die Wörther Kreuzigungsgruppe, aus Holz geschnitzt und übermalt, dürfte von einem Schüler Backoffens einige Jahre nach dem Tod des Meisters, wahrscheinlich im Jahre 1528 geschaffen worden sein. In der ältesten erhaltenen Kirchenrechnung aus dies Jahr werden Ausgaben vermerkt, ‚das Heyligst Crütz Hauß zu decken‘; d.h. damals ist wohl die Kreuzkapelle vor dem Unteren Straßentor gebaut worden, die ihren Namen eben von dieser Kreuzigungsgruppe der Backoffenschule erhalten hat, die offenbar im gleichen Jahr gefertigt worden ist.
In derselben Kirchenrechnung lautet eine weitere Eintragung: ‚Item 1 Pfund 4 Pf. der byldschnytzer der daß crütz gemacht hatt verzerrt uff dinstag sant mertheß abend‘. Demnach hat der (ungenannte) Bildschnitzer an Martini sein Werk abgeliefert und in der eben fertig gewordenen Kreuzkapelle aufgestellt. Aus einem anderen Dokument (Stadtrechnung 1715) lasst sich erschließen, dass das Kruzifix auf dem Altartisch befestigt war, während die beiden Assistenzfiguren auf zwei Kragsteinen (in den Seitenwänden?) standen.

1863 kamen die drei Figuren – die Kreuzkapelle wurde damals völlig umgebaut – in die St.-Martins-Kapelle im Friedhof. Ein Malermeister wurde entlohnt für ‚Oelaufstrich des Kreuzes, desgl. Muttergottesbild, Jünger Johannes desgl.‘

Nach Auskunft des Realschematismus der Diözese Würzburg von 1897 war die Gruppe ‚aus dem Hoheneckischen Schloss dorthin gebracht‘ worden. Möglicherweise stand bei dieser Version (deren Inhalt sich nicht bestätigen lässt) die Sage vom ‚Sprechenden Kreuz im Wörther Schloss‘ Pate.

1898 wurde die Kreuzigungsgruppe in die eben fertig gestellte St.-Nikolaus-Kirche transferiert:
1972/73 wurden die Figuren im Zuge der Gesamtrenovierung der Kirche überholt.“ (Trost)

Kreuzaltar

Im südöstlichen Querhaus spätgotischer Flügelaltar mit Gemälden auf Tannenholz. Stiftung von Graf Philipp von Hanau für das Seelenheil seiner Eltern, Graf Reinhard III. von Hanau-Münzenberg und Margaretha von Pfalz-Mosbach, 1485/90.
Altarunterbau mit zwei grünen Marmorsäulen und Mensa aus Rotsandstein 1898.
Restauration des Altares (Predella und Flügelrahmen neu) und malerische Ergänzungen besonders der Flügelrückseiten von Alois Hauser, München, 1898:
das Mittelbild zeigt die Kreuzigung Jesu,
die beiden Bilder auf der linken Flügelinnenseite zeigen die Kreuzauffindung,
auf der rechten Innenseite die Kreuzerhöhung,
das Bild auf der linken Flügelaußenseite zeigt die Muttergottes mit Kind,
auf der rechten Außenseite die hl. Anna.
Altarkonsekration zu Ehren des hl. Kreuzes mit Reliquien der Martyrer Probus, Felizitas und Fulgentia durch Bischof Ferdinand Schlör am 29.09.1898.
Über dem Kreuzaltar Wandgemälde mit Darstellung Christus als Weltenrichter von Paul Ecke, München, 1906.In der Pfarrchronik der Pfarrei Wörth von Josef Volkheimer steht auf den Seiten 276f. zur Kreuzkapelle:
„… Die Hauptzierde der Kapelle war das von dem Sohne des Grafen von Hanau-Münzenberg zum Gedächtnis an seine Eltern gestiftete, auf Tannenholz gemalte, spätgotische Flügel-Altar-Bild, das nach Angabe der Sachverständigen um´s Jahr 1470 entstanden ist. Der Maler (Dr. Fr. Knapp: Fränkische Kunstgeschichte, p. 334) dieses wahrhaften und wertvollen Kunstwerkes ist dem Namen nach unbekannt; er soll der Schule des „Meisters der Darmstädter Passion“ oder auch dem sogen. „Hausbuchmeister“ nahestehen.
Das Altarbild befindet sich jetzt in der 1898 neuerbauten Pfarrkirche St. Nikolaus als rechter Seitenaltar und ist dort näher beschrieben (s. S. 332/4). In meiner Kinderzeit war das Kreuzaltar-Bildnis bereits aus der Kreuzkapelle herausgenommen, um es vor weiterem Schaden durch die Feuchtigkeit der Kapelle zu bewahren. Den Wert dieses Kunstwerkes hatte man damals (1884/85) nicht erkannt, denn sonst hätte man es nicht im untersten Geschoss des Glockenturms der Pfarrkirche St. Wolfgang ausgehängt, wo es von niemand ausser uns Läutebuben gesehen werden konnte.“

Zur Beschreibung des Altars in WIKIPEDIA

 

Muttergottesaltar

Im nordwestlichen Querhaus mit neuromanischer Steinarchitektur nach Entwurf von Joseph Schmitz, Nürnberg, 1898:
Unterbau mit zwei grünen Marmorsäulen und Mensa aus Rotsandstein, an der Predella Relief mit Darstellung Tod Mariens von Arthur Schleglmünig, Würzburg.
Darüber in der Mittelnische eine thronende Muttergottes mit Kind aus Kunststein von Balthasar Schmitt, München.
Altarkonsekration zu Ehren der Königin der Engel mit Reliquien der Heiligen Benedikt, Bonifatius und Desiderius durch Bischof Ferdinand Schlör am 29.09.1898.
Über dem Marienaltar Wandgemälde mit Darstellung der Krönung Mariens von Paul Ecke, München, 1906.

Kreuzweg

In den Seitenschiffen und im Querhaus insgesamt 14 Relief-Kreuzwegstationen aus Holz von Heinz Schiestl, Würzburg, 1902.

 

Taufstein

Unter der Empore Taufstein aus Rotsandstein mit vier Säulen von Arthur Schleglmünig, Würzburg, 1898.

Kümmernisbild

An der Rückwand rechts neben dem Haupteingang das sogenannte „Kümmernisbild“ von Jakob Conrad Bechtold, Aschaffenburg, 1730.Das Bild war ursprünglich für die St.-Wolfgang-Kirche in Auftrag gegeben worden, landete aber nach deren Profanierung auf dem Speicher des alten Rathauses, wo es Bürgermeister Berninger 1948 entdeckte. Nach einer ersten Restaurierung wurde es zunächst in der Wendelinuskapelle aufgehängt und kam schließlich nach einer weiteren Überholung an seinen heutigen Platz.

 

 

 

 

 

Die neue Orgel von 1934 in St. Nikolaus

Die Orgel, „die Königin der Instrumente“ – so empfand es schon der berühmte Komponist Wolfgang Amadeus Mozart in einem Brief von 1777 an seinen Vater Leopold. Doch ihren eigentlichen Ursprung besitzt die Orgel viel früher, denn bereits aus der Antike stammt die Idee, Pfeifenreihen zusammenzustellen, und über Tasten und Ventile mittels Luft aus einem Blasebalg spielbar zu machen.

In Deutschland sind Orgeln erst wieder seit dem Mittelalter nachweisbar, so etwa als Kaiser Konstantin Koprónymos aus Byzanz im Jahre 757 n. Chr. Pippin dem Jüngeren eine Orgel zum Geschenk machte. 824 wird die erste Orgel im Dom zu Aachen erwähnt. Ab sofort erfuhr die Orgel eine rasante Entwicklung: Bald entdeckten nämlich auch kluge Mönche dieses Instrument für den Gebrauch im Gottesdienst, in dem doch bisher nur der reine liturgische Gesang gebräuchlich war. Spätestens ab dem 17. und 18. Jahrhundert – einer Hochblütezeit im Orgelbau – und bis heute fortdauernd sollten Orgeln aus katholischen wie protestantischen Kirchen als weihevolles Instrument zum Lobpreise Gottes nicht mehr hinweg zu denken sein.

Eine kleine Orgelchronik über die Orgeln in Wörth

Am bayerischen Untermain wurden als Erste die Dom- und Kollegialstifte mit Orgeln ausgestattet, wie um 1378 die Aschaffenburger Stiftskirche, später die Kloster- und Ordenskirchen (z.B. Amorbach 1513). Im 16. und 17. Jahrhundert erhielten die Stadtpfarrkirchen des Landkreises Miltenberg erste Instrumente (z.B. Klingenberg 1624), die Dorfkirchen folgten erst in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts nach.

So errichtete Hans Georg Steigleder aus Frankfurt am Main im Jahre 1697 die wohl erste Orgel für die Wörther Gemeinde in der St. Wolfgang Kirche. Vermutlich handelte es sich hierbei jedoch um ein gebrauchtes Instrument, denn merkwürdiger Weise wurde bereits 1702, fünf Jahre später also, erneut eine Orgel angeschafft, diesmal von dem berühmten Orgelbauer Johann Jost Schleich aus Lohr am Main, der den mainfränkischen Orgelbau des 17. und 18. Jahrhunderts entscheidend prägte. Das 381 fl. teure Instrument wurde 1761 von Johann Konrad Wehr aus Marktheidenfeld um ein Register erweitert und die Stimmung der Orgel auf „Chorton“ (diese Stimmung lag bis zu einer gr. Terz höher als die heutige Stimmung mit a1= 440 Hz) umgestellt.

Im 19. Jahrhundert wurde ein weiterer bedeutender Orgelbauer mit dem Bau einer neuen Orgel für die St. Wolfgang Kirche beauftragt: 1856 lieferte Balthasar Schlimbach aus Würzburg eine neue Orgel für 1480 fl., wobei er das alte Instrument in Zahlung nahm, denn Schlimbach besaß nicht nur den damals größten Orgelbaubetrieb am Untermain, sondern vertrieb nebenbei auch viele „Gebrauchtorgeln“ an ärmere Gemeinden. Acht Monate nach Vertragschluss wurde die Orgel mit Schleifladen und mechanischer Traktur am 23.10.1856 aufgestellt. Ihr Prospekt, wie man die Schauseite einer Orgel bezeichnet, gestaltete sich aus drei geteilten Pfeifenreihen als Rundbögen mit einem breiteren und höheren Mittelfeld. In den Zwickeln und Aufsätzen des Orgelgehäuses waren aufwendige Rankenschnitzereien eingearbeitet.

Nach dem Bau der neuen Wörther Pfarrkirche St. Nikolaus 1896/98 wurde die Schlimbach Orgel aus der alten Kirche übernommen. Angeblich wurde dieses Instrument 1910 von Bruno Müller aus Aschaffenburg durch ein größeres ersetzt, tatsächlich jedoch handelte es sich hierbei lediglich um einen Umbau der alten Schlimbach Orgel.

Die gegenwärtige Orgel der St. Nikolaus Kirche in Wörth stammt aus dem Jahre 1934 und wurde von der Firma Philipps A.G. in Aschaffenburg gefertigt.

Die 1877 in Frankfurt am Main gegründete Firma Philipps stellte zunächst hauptsächlich Drehorgeln und Orchestrions her. 1918 erweiterte sie ihre Geschäftstätigkeit durch die Herstellung von patentierten magnet-elektrischen Fahrradlampen. Besondere Bedeutung für den Werdegang der Fabrik sollte der Verschmelzung mit der Wilhelm Arnold A.G. in Aschaffenburg am 1.1.1925 zukommen. Somit entstand eine von vielen Zweigstellen der Philipps A.G. an der Hanauer Straße in Aschaffenburg. Ab den 1920er Jahren lag der Schwerpunkt ihrer Produktion zunächst auf der Fertigung von Kino-Orgeln und verschiedenen elektrischen Klavieren. Ab 1930 etwa wurden auch eine Reihe von Kirchen-Orgeln für den unterfränkischen Raum gebaut.

Zunächst musste sich die Firma Philipps – in der Zeit der deutschen Nazi-Herrschaft – auf Grund ihres jüdischen Ursprungs gegen andere Orgelbaufirmen um den Orgelbauauftrag für Wörth behaupten, welche sich in „streng vertraulichen“ Schriften an den damaligen Wörther Dekan Scheuring gegen die Firma Philipps aussprachen (In einem solchen ‚streng vertraulichen’ Schreiben einer Orgelbaufirma an Pfarrer Scheuring vom 25. September 1933 heißt es über die Firma Philipps: „Schließlich hat auch eine solche Firma die mehr oder minder jüdisch ist in einer katholischen Kirche nichts zu tun, bzw. zu suchen […]“). Letztendlich entschied man sich allerdings doch für die Firma Philipps, die einen weit billigeren Kostenvoranschlag vorlegen konnte.

Beim Entwurf einer Orgel für die Wörther St.-Nikolaus-Kirche wurde man vor das Problem gestellt, ein Instrument zu schaffen, welches den großen Kirchenraum akustisch genügend auszufüllen vermag, und dennoch auf der sehr kleinen Empore untergebracht werden konnte. Der endgültige Kostenvoranschlag der Firma Philipps vom 23.10.1933 beinhaltete schließlich eine Orgel mit 22 Registern auf zwei Manualen und Pedal, Kegelladen und pneumatischer Traktur, für 9.200 Reichsmark. Der Orgelsachverständige Professor Hanns Schindler nahm die Orgel in einem Bericht vom 28.2.1934 ab, und sprach darin seine Anerkennung für das Instrument aus.

In der Zeit von ca. 1920 bis in die 1970er Jahre wirkte das Ideengut der so genannten (nord)deutschen Orgelbewegung auf den Orgelbau, bei der man sich auf die Klangideale des Barock rückbesann. Doch oft verstand man die historisierenden Ideen allzu wertfixiert, wodurch viele Orgeln überschnell und in fast schon missionarischem Eifer und dieser neuen Ideale gerecht werdend umgebaut wurden. Diese Bewegung führte zur so genannten „Neobarockorgel“, deren Klang durch viele grelle und scharfe Register gekennzeichnet ist und als sehr obertonreich, bisweilen sogar als „schreiend“ charakterisiert werden muss, zudem bleibt diesen Instrumenten aufgrund ihrer Armut an Grundstimmen oft ein klangliches Fundament aus. Leider ereilte auch die Orgel von 1934 in Wörth dieses Schicksal, denn es wurden im Zuge einer undokumentierten „Restauration“ unter der Hand einige Grundstimmen entfernt und dafür mehrere grelle Obertonregister eingesetzt. 1989 führte die Firma Gustav Weiß aus Zellingen eine Ausreinigung und Generalüberholung der Orgel durch.
Die jetzige Disposition (Zusammenstellung der Register) der Orgel in der St. Nikolaus Kirche Wörth ist Folgende:

I. Manual (C-f³)

(Hauptwerk)

     II. Manual (C-f³)

(Schwellwerk)

     Pedal (C-f1)
Trompete 8’      Salicional 8’      Violonbaß 16’
Principal 8’      Lieblich Gedackt 8’      Subbaß 16’
Hohlflöte 8’      Prästant 4’      Zartbaß 16’
Oktave 4’      Nachthorn 4’      Oktavbaß 8’
Klein Gedackt 4’      Sesquialta 2fach 2 2/3’+ 1 3/5      Principalbaß 4’
Nasat 2 2/3      Oktave 2’      Posaune 16’
Schwiegel 2’      Waldflöte 2’
Mixtur 5fach 1 1/3      Sifflöte 1 1/3
     Mixtur 4fach 1 1/3
     Krummhorn 8’
Koppeln:  II-I, P-I, P-II, Superkoppel II-I
Registerkombinationen:
Feste Kombinationen: “Piano”, “Mezzoforte”, “Forte”, “Tutti”;
Freie Kombinationen: “C1”, “C2”
Spielhilfen: Crescendo-Walze, Schwelltritt, Pedalumschalter, „Walze Ab”, „Handregister Ab“
System: Kegelladen, pneumatische Spiel- und Registertraktur

Das Instrument besitzt zwei Manuale, wobei eines davon als Schwellwerk für dynamische Möglichkeiten eingerichtet ist, in dem die Pfeifen dieses Manualwerks in einem separaten Holzkasten mit regelbaren Jalousien untergebracht sind, und Pedal. Eine Crescendo-Fußwalze ermöglicht es dem Organisten, die einzelnen Register nach einander bis hin zum Tuttiklang auf addieren zu können. Weitere Spielhilfen sind die vier festen, und zwei frei einstellbare Registerkombinationen.

Die Steuerung der Tonventile, also die Übertragung vom Tastendruck am Spieltisch auf die Pfeifen, ist hier pneumatisch geregelt, d.h. mit Druckluft, die durch dünne Bleirohre strömt. Diese Technik ermöglicht zwar einen sehr leichten Tastengang, doch muss diese Erleichterung leider durch eine merkliche und störende Verzögerung zwischen Tastenbetätigung und Erklingen des Tones erkauft werden.

Die Schauseite der Orgel in Wörth ist ein gotisch anmutender, so genannter Freipfeifenprospekt, bestehend aus sieben Pfeifenfeldern, welche zur Mitte hin abfallend durch röhrenartige Lisenen getrennt sind. Die beiden Pfeifenfelder ganz rechts bestehen ausschließlich aus so genannten „blinden Pfeifen“, denn sie können keinen Ton erzeugen, sondern erfüllen lediglich architektonische Zwecke.

Die Klanggestaltung der Wörther Orgel ist – aus heutiger Sicht – von eher puristischem, nüchternen Charakter, schließlich folgte man 1934 und später noch den Klangidealen der Orgelbewegung: Neben einigen Grundstimmen, wie dem Principalchor, dreier Flötenstimmen und den Gedeckt-Registern ist ihr Klang vor allem durch die spitzen Obertonregister (Nasat, Siffflöte, Sesquialta) und den grellen vielchörigen Mixturen für beide Manualwerke geprägt. Das Werk verfügt darüber hinaus über drei Zungenstimmen, einer etwas knatternd intonierten Posaune 16’ für das Pedal, einem in der Ansprache bisweilen unsauberen und in der Oberoktave etwas schwach intonierten Barockregister, dem Krummhorn 8’ im Schwellwerk, und schließlich einer kräftig schmetternden Trompete 8’ im Hauptwerk, die dem Tuttiklang der Orgel zu einer ansprechenden Klangfülle verhilft.

Wenn auch die Orgel in der Wörther St. Nikolaus Kirche kein Prachtexemplar für den Orgelbau unserer Region zu sein scheint, so vermag sie mit ihrer ansprechenden Klangstärke dennoch den liturgischen Aufgaben in den Gottesdiensten mehr als gerecht zu werden. Die geringe Störanfälligkeit in den nun mehr 70 Jahren ihres Bestehens spricht – trotz des größten Bestrebens nach Technisierung und Modernisierung unserer heutigen Zeit – für die im Orgelbau verwendeten alten, bewährten Mechaniken und Bauweisen und beweist einmal mehr, dass die Orgel, die „Königin der Instrumente“, mit ihrer langen Vergangenheit ein einzigartiges, liturgisches Werkzeug der Verkündigung und zum Lobpreis Gottes ist.

In diesem Sinne wünsche ich den Organisten die Kreativität, alle Klänge der heuer 70 Jahre alten Wörther Orgel voll ausschöpfen zu können, um unsere Gemeindemitglieder im Gesang, der wohl schönsten Form des Gebets, tatkräftig zu unterstützen und unsere Gottesdienste in freudigen wie in schweren Zeiten durch einen treffenden musikalischen Ausdruck zu bereichern!

Alexander Rüth
Organist

Heiliger Antonius

Heiliger Urbanus

Heiliger Nepomuk

Figur stammt aus der St.-Wolfgang-Kirche

Heiliger Aloisius

Figur stammt aus der St.-Wolfgang-Kirche

Heiliger Josef mit Kind

Am rechten Pfeiler des Chorbogens.
In Auftrag gegeben von Pfarrer Josef Kerber

Darstellung der Schmerzhaften Muttergottes

Im rechten Querschiff.
1900 von Pfarrer Hofmann beschafft

 

Walldürn – Wallfahrtsbild

Am linken Pfeiler des Chorbogens

Herz-Jesu-Statue

Aus Holz
im linken Querschiff

 

Beichtstuhl

 

Butzenscheiben-Fenster in den Seitenschiffen

Von Wörther Familien gestiftet

Glocken

Nikolausglocke mit Schlagton c´;
Durchmesser 150,4 cm; 2.031 kg;
Schmuck: Relief des Heiligen;
Umschriften: „Wenn Versuchung im Herzen, wenn Not im Haus, wenn Gefahr auf den Wogen, dann schütze uns St. Nikolaus„, „Gestiftet vom Fischer- und Schifferverein Wörth am Main„.

Wolfgangsglocke mit Schlagton es´;
Durchmesser 125,2 cm; 1.311 kg;
Schmuck: Relief des Heiligen;
Umschrift: „Ich künde Gottes Lob und Ehr, groß ist ob allem Ding nur er„.

Marienglocke mit Schlagton f´;
Durchmesser 112 cm; 911 kg;
Schmuck: Relief der Muttergottes;
Umschrift: „Gnade und Einheit, Liebe und Frieden, sei durch Maria uns allen beschieden„.

Martinsglocke mit Schlagton g´;
Durchmesser 101,8 cm; 710 kg;
Schmuck: Relief des Heiligen;
Umschrift: „Ich ruf ins Herz euch Christi Lieb und Erbarmen, daß ihr begegnet ihm in jedem Armen„.

Josefsglocke mit Schlagton b´;
Durchmesser 91 cm; 506 kg;
Schmuck: Relief des Heiligen;
Umschrift: „St. Josef führ im letzten Streit uns heim in Gottes Herrlichkeit„.

Alle fünf Glocken wurden 1963 von der Firma F. W. Schilling, Heidelberg, gegossen.

St.-Nikolaus-Lied

Worte von Josef Volkheimer,
Melodie: „Sei gelobt und hochgepriesen“

In des Himmels Strahlenkranze
glänzt dein Bild, Sankt Nikolaus!
Deines Lebens mildreich Wirken
lohnt dir Gott im Vaterhaus.

Zu dir heben wir die Herzen
voll Vertrau´n und Zuversicht:
Führ auch uns zum Himmelslicht.

Du der Freund der Kinderscharen,
du der Armen Schutz und Hort,
du der Müden Kraft und Stärke,
Du der Schiffer sichrer Hort.

Zu dir heben…

Wenn Gefahr und Not uns drohen,
schütze uns, Sankt Nikolaus!
Lass dein´ Hilf´ uns angedeihen,
lösche unsre Sorgen aus!

Zu dir heben…

Leite uns und alle Völker
hin zu Christi Königszelt!
Wir geloben dir die Treue,
dass er uns hat auserwählt.

Zu dir heben…

​Quellen:

Realschematismus der Diözese Würzburg, Dekanat Obernburg
Werner Trost: Wörth am Main. Chronik einer fränkischen Kleinstadt, Bände 1 bis 4
Josef Volkheimer: Pfarrchronik Wörth