St. Martin

St.-Martins-Kapelle auf dem Friedhof
(c) Gebhard Hepp

St. Martin – die erste Pfarrkirche

Auf dem heutigen Friedhofsareal (vor der Stadt in Richtung Obernburg, an der Mündung des Breitenbachs in den Main) wurde frühestens im 6. und spätestens zu Anfang des 8. Jahrhunderts die Urpfarrkirche St. Martin errichtet, deren ehemaliger Chorraum nun als Friedhofskapelle dient.
Um sie herum entwickelte sich eine fränkische Siedlung, die ein Stützpunkt des damaligen Königs war.
Das Martinspatrozinium könnte als Hinweis auf ein hohes Alter der Pfarrei gewertet werden.
Sie ist die erste Pfarrkirche des alten „Erlebach“ und Mutterkirche für die Siedlungen des unmittelbaren Odenwaldhinterlandes und des gesamten Südspessarts bis zur Elsava- und Eselsweg-Linie.
Nach bisheriger Quellenkenntnis ist dies jedoch nicht sicher belegt.

St. Martin bleibt auch Pfarrkirche, als sich die Siedlung zum Main hin verlagert, zur Stadt erhoben und den Namen „Wörth“ erhält.
Im Jahre 1493 liegt um die Kirche noch eine Siedlung, während sie 1668 allein „am dorffs feldt“ steht.
St. Martin bleibt jedoch de jure Pfarrkirche von Wörth bis 1763.

Von der ursprünglichen Pfarrkirche ist heute nur noch der fast quadratische Ostchor (um 1400) mit Rippenkreuzgewölbe erhalten.
Auf dem steilen Satteldach befindet sich ein Dachreiter mit birnenförmiger Kuppel und einer Glocke.
Über dem Ostgiebel ein wohl spätgotisches Steinkreuz.
1789 wurde das Langhaus und der Turm wegen Baufälligkeit abgerissen.

Im Inneren der Kapelle finden wir heute einen ehemals in der St.-Wolfgangs-Kirche stehenden, aus dem späten 17. Jahrhundert stammenden Altar mit zwei gewundenen Säulen.
Auf der Sandsteinmensa stehen die Figuren Christus Salvator, hl. Nikolaus und hl. Josef (alle 17./18. Jhdt.), auf dem Tabernakel die kleine Figur hl. Martin zu Pferde (ohne den Bettler).
Im Fußboden vor der linken Seitenwand ein Sandsteinepitaph für einen Angehörigen der Familie der „Erlebach von Weilbach“ (+1477); im Fußboden vor dem Altar Sandsteinepitaph für Hofkonditor Ludwig Iller (+1797).
Eigentümer: Stadt Wörth am Main.

 

Stadtrechte

Im Mainzer Koppelfutterverzeichnis aus der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts werden Wörth und das gegenüberliegende Erlenbach als Zwillingssiedlungen unter dem gleichen Namen „Erlebach“ diesseits und jenseits des Maines bezeichnet.
Die ursprüngliche Siedlung „Erlenbach“ bei der St. Martinskirche wird noch im 13. Jahrhundert zum Main hin verlagert und planmäßig neu angelegt.
Die erste urkundliche Erwähnung Wörths stammt vom 07.06.1276, eine Urkunde vom 08.08.1291 bestätigt der Siedlung das Stadtrecht (Gründung durch die Herren von Breuberg).